Seite wird geladen ...



 Artsteckbriefe

Autoren  dieses Artsteckbriefes:  Erwin Rennwald ,  Jürgen Hensle

Cupido argiades  (Pallas, 1771)

weitere Bilder

Männchen Oberseite

Everes argiades

©  Horst Rötschke

2002

Cupido argiades

©  Angela Wolf

2007

Männchen Unterseite

Everes argiades

©  Horst Rötschke

2002

 

Bilder wieder ausblenden

Weibchen Oberseite

Everes argiades

©  Horst Rötschke

2002

Taf. 13 Fig. 3a

Everes argiades

©  aus Eckstein (1915)

 

Taf. 13 Fig. 3d

Everes argiades

©  aus Eckstein (1915)

 

Taf. 13 Fig. 3bc

Everes argiades

©  aus Eckstein (1915)

 

Migrations-Typ/Arealerweiterer

Autor: Erwin Rennwald

Vom Kurzschwänzigen Bläuling wurden immer wieder Vorstöße aus dem südlichen Mitteleuropa und Südwesteuropa bis nach England, die Niederlande und Norddeutschland (nicht aber Dänemark und Norwegen) bekannt. Die Art gilt sicherlich zurecht als Binnenwanderer.

Anmerkungen zur Verbreitung

Autor: Erwin Rennwald

Der Kurzschwänzige Bläuling wurde in den meisten Ländern Europas nachgewiesen. Er fehlt aber ganz im Südwesten (Portugal) sowie in Dänemark und Norwegen ganz. Im Baltikum wurde die Art hingegen jahrweise zahlreich beobachtet, von wo aus sie bis Schweden und Finnland vorstieß (Kaisila 1962, Karsholt & Razowski 1996).

Bestimmungshilfe

Autor: Jürgen Hensle

Bei genauerer Betrachtung in fast ganz Mitteleuropa unverwechselbar, da er der einzige Bläuling mit einem kurzen Schwänzchen ist. Lediglich im Wallis, im südöstlichen Österreich und in Südeuropa besteht Verwechslungsgefahr mit den beiden nahe verwandten sehr ähnlichen Arten Cupido alcetasund Cupido decoloratus. Bei diesen fehlt meist der orangefarbene Fleck oberhalb des Hinterflügelschwänzchens oder ist zumindest sehr undeutlich ausgebildet.

Ähnliche Arten

Autor: Jürgen Hensle

Cupido alcetas, Cupido decoloratus

Biologie

Autor: Erwin Rennwald

Aktivität
Die Imagines sind streng tagaktiv.

Flugzeit in Mitteleuropa und ggf. darüber hinaus
Die Art fliegt im gesamten Gebiet in 2 – 3 Generationen, wobei die erste mit Schwerpunkt Mai stets individuenarm, die zweite im Juli und der ersten Augusthälfte wesentlich zahlreicher ist. In günstigen Jahren kommt es im Laufe des August zur Massenentfaltung der 3. Gen.

Raupenzeit in Mitteleuropa und ggf. darüber hinaus
Ei-, Raupen- und Puppenentwicklung benötigen unter sehr günstigen Bedingungen im Sommer zusammen 5-6 Wochen, bei kühler Witterung im Frühjahr vermutlich bis 8 Wochen (Bink 1992, Lorkovic 1938, 1942, 1943 sowie eigene Beobachtungen). Die erwachsene Raupe der jeweils letzten Jahresgeneration überwintert. Schon Lorkovic (l.c.) lieferte die Begründung für das sehr unterschiedliche Erscheinen der 1. Faltergeneration: die erwachsene Raupe überwintert und nimmt vor der Verpuppung nur noch Wasser auf. Und eben das Erwachen der Raupen erfordert gewisse Mindesttemperaturen, die von Jahr zu Jahr sehr verschieden auftreten können.

Raupe (Nahrung)
Wichtigste Eiablagepflanze der Art in Europa ist der Rotklee (Trifolium pratense), dann folgen Gewöhnlicher und Sumpf-Hornklee (Lotus corniculatusund L. pedunculatus[=L. uliginosus]). Weitere gesicherte Freiland-Eiablagepflanzen sind Luzerne (Medicagox sativa), Weißer Steinklee (Melilotus alba) und Gallischer Stechginster (Ulex gallii). Eiablagen an Wicken (Vicia cracca, V. sativa) oder Schneckenklee (Medicago lupulina) finden im Freiland wahrscheinlich nur selten statt. Bei Rotklee, Luzerne, Steinklee und Stechginster erfolgten alle Eiablage-Beobachtungen in die Blütenstände, an den beiden Hornklee-Arten wurde auch Eiablage an Blättchen unterhalb von Blütenknospen beobachtet (E. Rennwald).

Überwinterungsstadium
Überwinterungsstadium ist die Raupe der jeweils letzten Jahresgeneration.

Habitat / Lebensraum

Autor: Erwin Rennwald

Nach Ebert & Rennwald (1991b) besiedelt die Art in Baden-Württemberg: „Insbesondere frische, bis feuchte Wiesen, die sowohl im Offenland als auch im Wald (bzw. vom Wald umgeben) liegen können. Die Falter können aber auch auf trockenen (mageren) Wiesen, Ruderalgelände, Böschungen und Dämmen, sowie an Wald- und Straßenrändern beobachtet werden. Im Kulturland auf Klee- und Luzernefeldern, an Feldwegen und auf Brachen, manchmal auch in Gärten ...“. Rennwald (1985) bezeichnet C. argiadesals „ein sehr schönes Beispiel, dass eine thermophile Art nicht zugleich auch xerophil (trockenheitsliebend) sein muß. Zumindest in der Oberrheinebene ist die Art als mesophil bis hygrophil zu bezeichnen“.
Bink (1992) berichtet aus der Bretagne von Eiablage in einer atlantischen Heide mit Ulex gallii(Erico-Ulicetalia).
Nach Higgins & Riley (1971) lebt die Art in Europa „an feuchten Stellen von der Meeresküste bis in die tiefen Täler der Gebirge“, und Lyneborg & Jønsson (1975) betonen „bevorzugt freies, blütenreiches Gelände, das etwas feucht ist“. Das heißt aber nicht, dass die Falter nicht auch einmal an trockenen Stellen zu finden sind, insbesondere dort, wo mehr mesophile bis feuchte Bereiche nicht ferne sind.
Nach Lorkovic (1938) besiedelt C. argiades.

Taxonomische Anmerkungen

Autor: Erwin Rennwald

Wichtiges Synonym: Everes argiades(Pallas, 1771). Evereswird bei Karsholt & Razowski (1996) als Subgenus von Cupidogeführt, in der gängigen Literatur vor dieser Zeit aber meist als eigenständige Gattung.

Literatur

Autor: Jürgen Hensle

Asher, J., Warren, M., Fox, R., Harding, P., Jeffcoate, G., Jeffcoate, S. with assistance from Greatorex-Davies, N. & Roberts, E.(2001): The Millenium Atlas of Butterflies in Britain and Ireland. – 433 S.; Oxford (University Press).

Bink, F.A(1992): Ecologische Atlas van de Dagvlinders van Noordwest-Europa. – Haarlem. – 512 S.

Carter, D.J. & Hargreaves, B.(1987): Raupen und Schmetterlinge Europas und ihre Futterpflanzen. – Hamburg & Berlin (Verlag Paul Parey). – 292 S.

Dolsa, A.G. & Albarrán, M.T.(2003): Façana del Museu de les papallones de Catalunya a Pujalts. – http://www.emporion.net/museu/lycaeni1.htm und http://www.emporion.net/papallones/fitxes/0066.htm [19.02.2003].

Ebert, G. & Rennwald, E.(1991b): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Bd. 2. Tagfalter II: 535 S.; - Stuttgart (Eugen Ulmer Verlag).

Hemmersbach, A. & U. Bosch(1996): Checkliste der vom Niederrheinischen Tiefland bekannten Großschmetterlingsarten. – Entomologischer Verein Krefeld im Selbstverlag. – 67 S.

Hensle, J.(2002a): Danaidae, Libytheidae, Nymphalidae (Rest) und Lycaenidae 1993. – Atalanta, 33:6-9.

Hensle, J.(2002b): Danaidae, Libytheidae, Nymphalidae (Rest) und Lycaenidae 1994. – Atalanta, 33:10-13.

Hensle, J.(2002c): Danaidae, Libytheidae, Nymphalidae (Rest) und Lycaenidae 1995. – Atalanta, 33:14-17.

Hensle, J.(2002d): Danaidae, Libytheidae, Nymphalidae (Rest) und Lycaenidae 1996. – Atalanta, 33:18-21.

Hensle, J.(2002e): Danaidae, Libytheidae, Nymphalidae (Rest) und Lycaenidae 1997. – Atalanta, 33:22-25.

Hensle, J.(2002f): Danaidae, Libytheidae, Nymphalidae (Rest) und Lycaenidae 1998. – Atalanta, 33:26-29.

Hensle, J.(2002g): Danaidae, Libytheidae, Nymphalidae (Rest) und Lycaenidae 1999. – Atalanta, 33:30-33.

Hensle, J.(2002h): Danaidae, Libytheidae, Nymphalidae (Rest) und Lycaenidae 2000. – Atalanta, 33:34-36.

Hensle, J.(2002i): Nymphalidae, Danaidae, Libytheidae und Lycaenidae 2001. – Atalanta, 33:271-302.

Higgins, L.G. & Riley, N.D.(1971): Die Tagfalter Europas und Nordwestafrikas. – Hamburg & Berlin (Parey). – 377 S.

Kaisila, J.(1962): Immigration und Expansion der Lepidopteren in Finnland in den Jahren 1869-1960. – Acta entomologica Fennica, 18:452 pp.; Helsinki.

Karsholt, O. & Razowski, J.[ed.] (1996): The Lepidoptera of Europe. A Distributional Checklist. –Stenstrup (Apollo Books). – 380 S.

Licht, H.-H.(2003): Schmetterlings-Biotope in Südbaden. Tagfalter und ihre Lebensräume. [Stand 1.11.2002] – www.licht-hh.homepage.t-online.de

Lorkovic, Z.(1938): Studien über den Speziesbegriff. II. Artberechtigung von Everes argiades Pall., E. alcetas Hffgg. Und E. decolorata Stgr. – Mitt. Münch. Ent. Ges., 28:215-246.

Lorkovic, Z.(1942): Studien über den Speziesbegriff. II. Artberechtigung von Everes argiades Pall., E. alcetas Hffgg. Und E. decolorata Stgr. (Fortsetzung von 1938). – Mitt. Münch. Ent. Ges., 32:599-624.

Lorkovic, Z.(1943): Modifikationen und Rassen von Everes argiades Pall. Und ihre Beziehungen zu den klimatischen Faktoren ihrer Verbreitungsgebiete. – Mitt. Münch. Ent. Ges., 33:431-478.

Lyneborg, L. & Jønsson, N.(1975): BLV Naturführer – Tagfalter. München – Bern – Wien. – 159 S.

Maes, D. & van Dyck, H. van(1999): Dagvlinders in Vlaanderen. Ecologie, verspreiding en behoud. – Antwerpen (Stichting Leefmilieu) & Brussel (Instituut voor Natuurbehoud en Vlaamse Vlinderwergroep). – 480 S.

Pakkanen, P.(2003): Kuvia ja havaintoja perhosista. Pictures and news about butterflies and moths in Finland. – http://www.sci.fi/~peterpa/lepi/perhonen.htm [last updated 1.2.2003] bzw. http://www.sci.fi/~peterpa/lepi/historia/lycaenidae2/eve-argiades.htm [last updated 4.11.2002].

Popov, H.G.(2002): Ukrainian Butterflies from "ALEXANOR". Scientific Project: Long-Term Monitoring of Papilionoidea & Hesperioidea (Lepidoptera, Insecta). Populations of West Ukraine. Distribution map of Everes argiades Pall. in the investigated area. – http://www.alexanor.uzhgorod.ua/dmap0119.htm (Last update June 12, 2002).

Rennwald, E.(1985): Notizen zur Ökologie von Everes argiades (Pallas, 1771) (Lep., Lycaenidae). – Atalanta 16: 88-94.

Speyer, A.(1867): Die Lepidopteren-Fauna des Fürstenthums Waldeck. – Verh. Naturhist. Ver. Der preussischen Rheinlande und Westphalens, 24: 147-298.

Vesikko, O.(2002): Digikuvia päiväperhosista. – http://www.kolumbus.fi/ovesikko/ [updated 1.9.2002] bzw. http://www.kolumbus.fi/ovesikko/argiades.htm.

Zinnert, K.-D.(1966): Beitrag zur Faunistik und Ökologie der in der Oberrheinebene und im Südschwarzwald vorkommenden Satyriden und Lycaeniden (Lepidoptera). – Ber. Naturf. Ges. Freiburg i.Br., 56: 77-141.

Zu dieser Art

Trivialnamen

deu

Kurzschwänziger Bläuling